Samstag, 16. September 2006
The Big Police Chase
Als ich neulich abends nach Hause komme, fragt mich meine Vermieterin: "Hast Du auch was von der grossen Verfolgungsjagd heute morgen gehoert? Mit dem Kerl, der am Flughafen ein Auto gestohlen hat?"

"Nun ja," sage ich, "ich war quasi dabei." Dann erzaehle ich, was mir am morgen wiederfahren ist:

Da laufe ich nichtsahnend auf dem Buergersteig entlang, die sind hier ungefaehr 3 Meter breit, ab und zu stehen Beton-Blumentoepfe herum und auch einige Baeume sind darauf gepflanzt. Ich gehe entgegen der Fahrtrichtung, immer schoen im Schatten, denn die Sonne hat heute morgen schon sehr viel Kraft. Auf meinem Weg ins Einkaufszentrum ueberlege ich, was ich alles besorgen will und traueme so vor mich hin. An sich nichts spannendes. Daher kommt mir das Geraeusch der Polizeisirenen gerade recht. Das verspricht ein wenig Abwechslung. Vor allem, als ich bemerke, dass es fuenf oder sechs Streifenwagen sind, die da von hinten an mir vorbeiziehen, ist meine Neugierde geweckt, denn da muss was groesseres passiert sein. Als dann einer der Polizeiwagen etwa 100 Meter vor mir stoppt, gilt meine Aufmerksamkeit ganz dem behoerdlichen Geschehen. Da versucht ein aussteigender Polizist hektisch so etwas wie eine Absperrung direkt neben dem Mittelstreifen aufzubauen. Das kann nur eines bedeuten: Verkehrsunfall! Ich versuche also, auf meinem Weg weitere Erkenntnisse zu sammeln: Waren da schon Krankenwagen, und wenn ja, wieviele? Gab es demolierte Autos? Lagen gar Verletzte irgendwo herum? Alle diese Fragen muss ich verneint sehen. Und bevor ich mich weiter wundern kann, werde ich eines, diesmal aus der entgegengesetzten Richtung kommenden, Streifenwagen gewahr. "Das ist kein Unfall, sondern eine Verfolgungsjagd in vollem Gange" schiesst es mir durchs Hirn. Im selben Moment, in dem meine grauen Zellen dieses Ergebnis hervorbringen, hoere ich ein Fahrzeug stark beschleunigen und sofort rast ein schwarzer M5, BMW's Nobelgelaendekutsche, an mir vorbei. Natuerlich sehe ich dem Wagen nach und bin erschrocken.Denn ich sehe, wie er, um dem naechsten Nagelband, was die ominoese 'Absperrung' tatsaechlich ist, zu entgehen, bei vollem Tempo auf den Buergersteig faehrt - ca. 20 Meter hinter mir. Er brettert ueber den Abschnitt, ueber den ich selbst noch keine Minute vorher flanierte. Und natuerlich waren da auch noch Leute drauf! Wenn ihm diese Aktion einige Meter vorher eingefallen waere, haette ich ein ernsthaftes Problem bekommen. Denn in meiner Neugier habe ich die Situation auch erst spaet erkannt und folglich den Wagen erst spaet bemerkt.
Die Leute hinter mir koennen sich gluecklicherweise mit einem oder zwei Schritten zur Seite in einen Ladeneingang retten. Ich versuche im Anschluss, meinen Puls wieder unter 180 zu bekommen.

Am Abend hoere ich, dass dieser Mistkerl einen Krankenwagen gerammt und einen Rentner schwer erwischt hat und die Polizei die Verfolgungsjagd irgendwann abgebrochen hat, da sie zu gefaehrlich geworden ist.
Mir bleibt die Erkenntnis, dass mich meine Sensationslust fast in eine ausweglose Situation gebracht hat, denn vor lauter Neugier habe ich das meiste meines restlichen Umfeldes kaum wahrgenommen. Das haette unter Umstaenden boese enden koennen. Ich werde also in Zukunft meine Sensationslust im Zaume halten - Gaffen hat bisher noch den wenigsten einen Vorteil gebracht.

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Hey Passi! Das hätte der Hitchcock nicht besser schreiben können! Da hat sich die große Überfahrt ja schon voll gelohnt! Sowas erlebt man hier ja nicht all zu oft! Größtes Highlight der letzten Wochen : Schöni kippt im Grusel um! Also denn weiter so und die Berichte nicht vernachlässigen! bis denn Steppke

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filmreif
... und in dem Moment keine Videokamera dabei?

Die Szenen hättest Du nach Hollywood verkaufen und davon dem Musikverein 'n neuen Konzertsaal bauen sollen.

Bis irgendwann,

Rudi

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Tach
Ja, ja, so sind sie, die Leute Übersee.
Gruß
Jan

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