Sonntag, 8. Oktober 2006
kanadische Buerokratie und Organisation
Meine Erfahrung mit der kanadischen Buerokratie fing schon in Deutschland an. Objekt der Kontaktaufnahme war die Studienerlaubnis inklusive Visum. Eines vorweg: Jeder deutsche Amtsschimmel wuerde vor Freude wiehern.

Nachdem ich alle Materialien zusammen hatte, die man benoetigt, um ein Visum zu beantragen, u.a. Fuehrungszeugnis, Passbilder, Reisepass, Bestaetigung der Gebuehrenentrichtung usw., schickte ich diese an die kanadische Botschaft in Berlin. So weit, so gut.
Auf der Internetseite der Botschaft steht geschrieben:"Sie bekommen das Visum per Post zugeschickt. Wir werden Sie nur kontaktieren, wenn der Antrag angenommen wurde oder der Antrag unvollstaendig ist und wir weitere Unterlagen von Ihnen benoetigen." So oder so ungefaehr druecken die Herrschaften dort sich aus.
Vorbildlicherweise habe ich den Antrag ca. 9 Wochen vor Abflug abgeschickt und dann gewartet. Die Bearbeitungszeit liegt normalerweise bei 2-4 Wochen. Als 7 Woche spaeter immer noch kein Lebenszeichen von meinem Visum zu vernehmen war, sandte ich zur Vorsicht eine e-mail an die vielbeschaeftigten Damen und Herren in der Botschaft. Kann ja auch mal sein, dass der Brief gar nicht angekommen ist. Die Antwort, die ich am uebernaechsten Tag erhielt sagte:"Ihr Antrag wird bearbeitet. Die Vorgangsnummer ist 123Schiess-mich-tot. Wir warten noch auf das polizeiliche Fuehrungszeugnis. Zur Erklaerung: Ich hatte denen damals einen vom Ordnungsamt ausgestellten 'Antrag auf Erteilung eines Fuehrungszeugnisses uebersandt. Ich dachte, da auf diesem auch alles draufsteht, was im FZ enthalten ist, muesste das ausreichend sein.
Denkfehler Nr. 1!
Dann habe ich der Antwort auch noch entnommen, aufgrund der Formulierung:"wir warten noch...", dass die Botschaft den Antrag weggeschickt hat und auf das Original wartet.
Denkfehler Nr. 2!
Die haben gemeint, ich wuerde denen das Original noch nachreichen. Weiss zwar nicht, warum ich denen dann den Antrag haette mitschicken sollen, aber gut. Die haben also 7 Wochen gewartet, dass von mir noch was kommt. Der Antrag war also unvollstaendig. Ich moechte nur kurz an die website erinnern:"Wir melden uns nur bei Ihnen, wenn...oder der Antrag unvollstaendig ist."
Das hab ich ja so geglaubt.
Denkfehler Nr. 3!
Ich habe dann nach mehreren! e-mails erst herausgefunden, dass die meinten, ich muesste denen noch das Original schicken und dass ueber den Antrag bis dahin nicht entschieden werden konnte. Als ich das wusste, waren es noch 3 Tage bis zum Abflug.
Ich habe dann den Jungs in Berlin, in der Hoffnung auf ein wenig gesunden Menschenverstand und Pragmatismus, freundlich mitgeteilt, dass der sagenumwobene Antrag auf Erteilung eines Fuehrungszeugnisses bereits alle relevanten Informationen enthaelt, u.a. "keine Eintragungen". Auf dieser Basis habe ich hoeflich gefragt, ob eine Bearbeitung nicht doch moeglich sei. Etwa zwei Stunden spaeter erhielt ich die Antwort, dass positiv ueber den Antrag entschieden wurde und ich bitte eine Faxnummer angeben sollte, an die mein Einreisedokument uebermittelt werden koenne. Das Visum kam uebrigens 3 Arbeitstage spaeter.

Naechste Woche, kommt dann noch die Geschichte von Christin, einer Kanadierin, die in Heidelberg studiert hat und nun ihre Studienleistungen nicht anerkannt bekommt. Warum das so ist, ist eine weitere haarstrauebende Geschichte.
Ich hab jetzt erstmal Feiertag. (Thanksgiving)

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